Donnerstag, 29. September 2016

Granita

Noch eine Urlaubsgeschichte habe ich für euch, entstanden auf Elba, an einem lauen Sommerabend, im Vorzelt vor dem Wohnwagen. Stellt euch das vor. Das Meeresrauschen im Ohr, der Bauch angenehm voll vom köstlichen Fisch, den es zum Abendessen gab. Die Kinder sind ins Bett verfrachtet und hören im Wohnwagen noch leise CD, eine Kerze brennt am Campingtisch. So war das nämlich.


Seit diesem Urlaub habe ich ein neues Feindbild. Es nennt sich Granita, ist kitschiggrün, orange oder rot und schmeckt – naja, irgendwie wie die Pfennigeistütchen, die es in meiner Kindheit nach der Schule am Domplatz gab. Diese länglichen kleinen Wassereistüten, die man oben mit den Zähnen aufreißen musste um für zwei Minuten an einer Eissäule mit Zucker und künstlichem Sirupgeschmack zu nuckeln.


Granita ist ähnlich, nur schlimmer. In bunten Kästen dreht sich das mit Sirupzeug versetzte Crusheis und wird dann im Plastikbecher mit Strohhalm serviert. Die Große hat es entdeckt, als wir im nahegelegenen Hafenörtchen Eis essen waren. Egal, dachte ich mir, soll sie haben. Solange ich das Zeug nicht austrinken muss.


Jetzt kann man aber dieses Granita-Zeug nicht einfach austrinken. Ist ja kalt. Das Kind nuckelt also ungefähr einen halben Zentimeter pro fünf Minuten aus dem Becher. Und der Becher ist groß. Hallo? In der Zeit esse ich ja die ganze Gelateria leer. Inklusive aller Waffelbecher!!!


Wir sitzen also auf einer Bank vor der Gelateria. Und warten. Und warten. Das Kind nuckelt. Wir warten. Und warten. Zwischendrin nehme ich den Becher und wärme ihn mit den Händen an, damit das verflixte Eis schneller schmilzt und endlich trinkbar wird. Aber es dauert. Nach gefühlten drei Stunden ist endlich der Becher leergenuckelt, ich atme auf und wir können weiter.
Boah, war das eine Geburt. In diese Straße gehen wir definitiv nicht wieder. Ich meine, was in aller Welt spricht gegen das gute alte Gelati in der Waffel??


Die Kleine hat die große Schwester während der Nuckelei neidisch beobachtet und verkündet jetzt, als wir durch die Gassen des italienischen Städtchens schlendern: ‚Nächstes Mal will ich auch so was!!“. Ha, denke ich, es wird definitiv kein nächstes Mal geben!!


Abends am Campingplatz sausen die Tochterkinder mit ihren Fahrrädern durch die Gegend, immer bis vor zur platzeigenen Pizzeria und zurück, während ich andächtig Doraden auf dem Gasgrill zubereite. Mit quietschenden Reifen schießt die Große auf unseren Platz und kommt schlitternd vor mir zum Stehen.


„Maaamaaaa, die haben vorn am Restaurant auch Eis! Da können wir jetzt jeden Abend noch Eis essen gehen! Können wir nach dem Abendessen vorgehen?“ „Mhmmm…. können wir bestimmt….“ murmle ich abgelenkt, während ich den Fisch umdrehe und das Gemüse auf die Seite schiebe. „Prima!“, freut sich das Kind. „Die haben drei Sorten Granita….“


Jaja, so ist das mit den kleinen und großen Freuden des Alltags - vor allem im Urlaub... :D :D Passend zum Urlaubsflair habe ich euch heute gleich zwei Urlaubs-Lieblingsteile mitgebracht. Aus dem "Retro-Tulips"-Jersey von Mädchenwahn, den ich für Alles-für-Selbermacher vernähen durfte, musste definitiv etwas sommerliches werden. Die frischen Farben leuchten in voller Pracht - übrigens auch ein Toptipp für den Herbst! Gerade an nebelverhangenen Tagen kann man doch gar nicht genug leuchten.... :D


Aus den rosa "Retro-Tulips" habe ich mir einen sommerlichen Upcycling-Rock gebastelt. Eine der Jeanshosen, die an Knie und Oberschenkeln schon total abgewetzt waren, hat ein neues Leben bekommen. Übrigens eine tolle Sache - Hose abschneiden, Stoffbahn raffen, drannähen, fertig. Geht ruckzuck, sitzt im oberen Bereich absolut optimal und flattert unten schön luftig um die Beine. Schneller kann man keinen Rock nähen.


Die gelben Tulips wurden zur Jeden-Tag-dabei-Strandtasche. Nach dem perfekten Schnittmuster dafür habe ich eine Weile gesucht - schließlich habe ich mir die "Big Summer" von Keko-Kreativ zugelegt, und die erfüllt optimal alle meine Strandtaschenwünsche:
1. Sie ist riesig. Da passen problemlos 4 Handtücher, Ersatzbadeanzüge, Wasserspielzeug und alle nötigen Kleinigkeiten rein.
2. Sie hat genau die richtige Menge an Extrataschen und Täschchen, die man so braucht: Eine Reißverschlusstasche für Geld, Schlüssel, Handy und vorn ein Getränkefach. Zusätzlich habe ich noch ein doppeltes Fach innen eingenäht, in das auf der einen Seite die Sonnencreme und auf der anderen ein Buch passen. Mehr braucht man nicht beim Baden. :)
3. Die Trennungslinie in der Mitte ist einfach super für Stoffkombis. Durch den Jeansstoff unten (nochmal Upcycling) ist die Tasche total robust, und oben kommt der gelbe Retro-Tulips richtig gut zur Geltung.
Die Papierflieger-Appli bekommt ihr bei Cindy von Din.Din, bei der es inzwischen die wunderschönen Plotterdateien auch als Applikationsvorlagen gibt - eine tolle Sache für plotterlose Menschen wie mich. :D
 


Hier geht es zu den beiden Mädchenwahn-Stoffen in rosa und gelb:



Die Applikation mit verschiedenen Papierfliegern bekommt ihr hier

Meinen leuchtenden Rock und die Strandtasche schicke ich noch flott bei RUMS vorbei!

Hasenwilde Grüße
Johanna

Sonntag, 25. September 2016

Sammeltrieb


Ihr Lieben,
im Urlaub, in diesen entspannten Tagen, habe ich vorab zwei Blogbeiträge für euch geschrieben. Weil ich Zeit hatte. Weil ich gern schreibe. Und weil sie mir eben so in den Sinn kamen. Heute bekommt ihr den ersten der beiden zu lesen.

Jedes Jahr, bevor wir in den Urlaub fahren, holen wir ein paar Tage vorher den Wohnwagen aus Opas Stadel und stellen ihn vor unser Haus. Da meine Eltern ihn im Moment kaum nutzen ist er meistens ein bisschen verstaubt vom Winter und ich putze und lüfte erst mal ordentlich durch. Im Eingangsbereich befindet sich ein schmales Regal, dafür hat mein Papa eigens ein paar passende Holzkistchen angefertigt, die genau hineinpassen. Wo ich also schon so am Saubermachen und Durchwischen war, habe ich mir die Kistchen gegriffen und dachte mir, ich schau mal, was da eigentlich so alles drin lagert.



Wenn ich euch jetzt erzähle, dass mein Papa ein alter Sammler und Bastler ist, der alles brauchen und nichts wegwerfen kann, könnt ihr euch wahrscheinlich schon vorstellen, dass das eine durchaus interessante Sache war… :D :D



Ich sitze also im Schneidersitz auf der Stufe vor unserem Haus, die Sonne scheint und ich fördere zu Tage, was sich da so versteckt. Von den drei alten Weckgummis kommt zumindest einer wieder in die Kiste. Man kann nie wissen. Das Häufchen alter Büroklammern und die drei zerbrochenen Kulis wandern in den Müll. Wenn er das wüsste, würde er grummeln: „Immer schmeißen sie alles weg, die Preindls! Kein Respekt vor recycelbaren Raritäten!“. Ich grinse vor mich hin – ich glaube nicht, dass er das Kugelschreiberersatzteillager vermissen wird. Die zwei uralten Stoffeinkaufsbeutel werfe ich aufgrund des modrigen Geruches in den Wäschekeller, ersetze sie aber durch neue. Was steckt da noch? Plastiktüten, Panzertape, eine durch Drehen aufladbare Taschenlampe (dieses Ding habe ich mein Lebtag nicht im Einsatz gesehen, und ich kenne diesen Wohnwagen jetzt seit 25 Jahren. Bisher haben noch immer die guten alten Batterietaschenlampen im Notfall ihren Dienst getan. :D), ein Bewegungsmelder (Wofür? Wofür??????), eine alte Glühbirne (von der ich fest glaube, dass sie kaputt ist und nach dem Austauschen einfach wieder in die Schachtel gewandert ist – sicher bin ich mir aber nicht), ein Knicklicht, verschiedene Rechnungen, ein Mini-Nähset ohne Nadel, Kabelbinder, diverse Kabelstücke und Schrauben, Angelhaken. Angelhaken?


Ich erinnere mich dumpf an eine Fahrt vor vielen Jahren, in der mein Papa sich eine Angel zugelegt hat und voller Motivation auf die Jagd ging. Ich glaube nicht, dass er was gefangen hat – seither liegt die Angel aber „für alle Fälle“ in einem der  Wohnwagenfächer und wartet auf bessere Zeiten. Der selbstgebastelte Urlaubskartenhalter aus Tonpapier war vor vielen Jahren ein Geniestreich von mir und hat glaube ich nie eine einzige Karte gehalten. :D :D


Ich packe einen kleinen Teil der Utensilien, die da auf der Stufe ausgebreitet liegen, wieder in die Holzkästchen (Panzertape und Kabelbinder kann man immer mal brauchen, da gebe ich meinem Papa ja vollkommen recht), das meiste landet in einer Extrakiste. Wegwerfen darf man ja nix hier. :D Die Kiste deponiere ich im Keller. Nicht nur, dass im Wohnwagen jedes Zusatzgewicht auffällt, meine Kinder jagen solche Trophäen mit Begeisterung und ich habe keine Lust, diese Kisten den ganzen Urlaub lang täglich wieder einzuräumen, nur weil die Damen sie interessant finden.


Kopfschüttelnd stelle ich die Pappkiste in ein Regal. Diesen Sammeltrieb werde ich nie verstehen. Wirklich, da bin ich vollkommen anders. Ich werfe Dinge weg, anstatt sie für Jahrhunderte in irgendeiner Ecke zu bunkern. Wo ich schon im Keller bin, beschließe ich, aus meinem Nähzimmer schnell die Schlafsäcke zu holen. Während ich mit beiden Händen Stoffstücke vom Sofa räume und dabei versehentlich in eine der Tüten mit alten Jeansresten zum Vernähen trete, muss ich lächeln. Ich stelle energisch noch zwei Kisten Bastelutensilien auf den Boden und kann endlich das Schlafsofa hochklappen, um an die Schlafsäcke darunter heranzukommen. Hat er doch Glück gehabt, mein Vater. Dass aus diesen Genen eine vollkommen rational denkende Tochter ohne jeglichen Sammeltrieb geworden ist, das hätte wohl keiner gedacht. :D :D



Hier noch schnell die Details zu den Bildern: Der Rock ist ein Freebook von Frau Liebstes/kibadoo und heißt einfach Jerseyrock Kids. Mit der Teilung lässt sich unglaublich gut mit verschiedenen Stoffen spielen - da kommt auch der tolle Simply-Apples-Jersey von Hamburger Liebe richtig gut zur Geltung! Das Tüpfelchen auf dem i ist aber die XXL-Häkelborte in altrosa, die ich für Nadine von Namijda vernähen durfte. Die verleiht dem Rock nochmal eine besonders pfiffige Note. Kombiniert habe ich das Röckchen mit einem ganz einfachen Basicshirt (Schnitt: Longsleeve von Lillesol und Pelle) aus den Big Dots von Lillestoff. Die Malia-Ballonmütze von Pom und Pino hab ich euch ja schon ein paar Mal gezeigt.

Hier geht's zur Häkelborte: (der Shop von Namijda ist übrigens ideal, wenn ihr Stoffe und Tüddelkram zum Kombinieren sucht - tolle Qualität und faire Preise für schicke Kombis. Ich hab schon mehrmals bestellt und werde definitiv dabei bleiben - die Sachen sind nämlich auch noch ruckzuck da!)

http://www.namijda.de/de/spitzen/kloeppelspitze/1-mtr-kloeppelspitze-extra-breit-altrosa-6-5cm.html

Hasenwilde Grüße
Johanna


Donnerstag, 22. September 2016

Abschied

Jetzt sitze ich zum vierten Mal hier vor dem PC- Bisher bin ich immer wieder aufgestanden. Weil mir die Worte fehlten. Weil ich nicht wusste, wie und was ich schreiben soll. Aber das Geschehene auch nicht unkommentiert lassen wollte. Dafür ist es zu entscheidend. Zu einschneidend. Also hier ein paar kurze Worte für euch.
Eigentlich ist eine Kombination aus Ereignissen, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten, der Grund für die Stille hier auf dem Blog. Zuerst waren wir im Urlaub. Gute zehn Tage mit dem Wohnwagen in Italien, auf meiner Lieblingsseite, auf Elba. Wir haben eine wunderschöne Zeit verbracht. Familienzeit - aber immer in Kontakt mit zuhause, in ständiger Standleitung. Denn mein Schwiegervater war im Krankenhaus. Die Nachrichten waren wechselnd positiver, dann wieder nicht ganz so gut, aber nie akut besorgniserregend, und so konnten wir unseren Urlaub relativ unbeschwert genießen. Bis es dann Ende letzter Woche plötzlich schlechter wurde. Wir sind sofort heimgefahren und mein Mann konnte seinen Vater das Wochenende über täglich besuchen. Bereits am Montag ist mein Schwiegervater dann friedlich eingeschlafen.
Ich will gar nicht so viel mehr schreiben, denn er hätte es furchtbar gefunden, Thema eines Blogbeitrags zu sein. So viel ist passiert diese Woche. So viel steht an, wenn ein liebes Familienmitglied geht. Und gleichzeitig scheint die Zeit stillzustehen. Die Kinder erden uns, bringen täglich den Alltag wieder ins Haus - können einen mit den neugierigen, durchdachten Fragen aber auch ganz schön aus dem Konzept bringen. Ich versuche, sie möglichst kindgerecht und trotzdem wahrheitsgemäß zu beantworten und ringe manchmal ganz schön um Worte.
Wir werden also in den nächsten Tagen und Wochen hier versuchen, wieder in den gewohnten Tagesablauf zu finden - und die vielen schönen Erinnerungen teilen. Mit Dankbarkeit, dass wir Teil seines Lebens sein durften.

Liebe Grüße
Johanna